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Edition:     1

Material:   Bronze 

                 patiniert

              

Grösse:    104x45x0.5 cm

Gewicht:   26 kg

 

Jahr:         2011

Floating within ... Virtues & Sins

 

Mein erstes Werk im Zyklus der „sieben Todsünden“. „In medio stat virtues“ (in der Balance befindet sich die Tugend) war das Motto, obwohl das Motiv sich an die Verschwiegenheit des Einzelnen zu seinen Tugenden, aber vor allem zu seinen Sünden richtet.

 

Wir kennen unsere Tugenden und Sünden blind oder blenden ihre Existenz gerne aus. So gesehen werden wir sie nicht offen zugeben oder darüber reden. Dies basiert auf unserer Erziehung, nie bzw. nicht zu „Sündigen“ – also ein Tabu – und Andererseits mit seine Tugenden bescheiden aufzutreten. Insofern haben wir alle unsere Geheimnisse, die wir tief in uns verborgen tragen.

 

Die heutigen Gesellschaften erscheinen teilweise oder sehr offen im Umgang mit unseren Schwächen und Eigenarten – vieles wird toleriert und man „Outed“ sich ungeniert. Andererseits spricht aber niemand offen seine Verhaltensfehltritte gegen gemeinsame Normen an und aus. Jedoch werden heute oft Opfer oder gar Stellvertreter-Opfer gesucht und öffentlich „angeklagt“. Dieses Fingerzeigen ist weithin akzeptiert und Bestand unseres täglichen „Klatschs“ – auf Regierungsebene bis hinunter in die tiefste Gasse. Es scheint, dass niemand sich dieser öffentlichen Sensationslust des Exponieren einer Verfehlungen wirklich entziehen kann.

 

Dieser Schal enthält 8 Tugenden und Sünden – gepaart, um ein gute Balance zu halten im Sinne des Mottos: „IN DER MITTE IST DIE TUGEND“

Virtue   Vice
Castitas (Keuchheit) Luxuria (Lust/Verschwendung)
Temperantia (Zurückhaltung) Gula (Völlerei)
Caritas (Grossmut) Avaritia (Habgier)
Industria (Sorgfalt) Acedia (Faulheit)
Patientia (Geduld) Ira (Zorn)
Humanitas (Güte)  Invidia (Neid)
Humilitas (Bescheidenheit) Superbia (Hochmut)
Iustitia (Gerechtigkeit) Venaliter (Korruption)

Als man dieses Werte in der Antike erkannte, hatte eine emsige Weberin einen Schal mit den ihr wichtigsten Ausprägungen bestickt. Er sollte den Betrachter immer daran erinnern, seine eigene Balance im Tugendhaften zu suchen bzw. zu finden, die er oder sie gut hinter der Fassade der Selbstkontrolle in sich verborgen trägt. Doch als ein starker Wind diesen Schal ergriff, wurde keiner ihm mehr habhaft. Seitdem schwebt er um die Welt umher und die Erinnerung an das ausgewogene Dasein geriet in Vergessenheit. Doch wer den Schal erspäht, weiss sofort im Geheimen um sein Abschweigungen von den Tugenden. Die Legende besagt, dass ein Blick genügen sollte, um die verlorengegangene Balance wiederzufinden.